Die Idee...

Den Landtag mit den Augen einer Volontärin entdecken: Während meines zweijährigen Volontariats in der Pressestelle des Schleswig-Holsteinischen Landtags könnt ihr mir in diesem Blog virtuell über die Schulter schauen. Euch erwarten persönliche Eindrücke und kleine Anekdoten aus meinem Arbeitsalltag und dem politischen Geschehen. Viel Spaß beim Lesen!

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Montag, 12. März 2018

Traditionssegler wird auf Vordermann gebracht

Die Schiffe, das Meer – sie gehören zu Kiel wie zu keiner anderen Landeshauptstadt. Diese maritime Tradition spielte auch eine Rolle, als der Landtag vor 36 Jahren eine Patenschaft mit dem Segelschulschiff „Gorch Fock“ ins Leben rief, das seinen Heimathafen an der Förde hat. Als Segler und ehemaliger Seeoffizier setzte sich Landtagspräsident Dr. Helmut Lemke in den 80ern für die ungewöhnliche und einmalige Patenschaft eines Parlaments mit einem Marine-Schiff ein. Auch einmalig: Mein Besuch in der Bredo-Werft in Bremerhaven, wo die „Gorch Fock“ seit gut zwei Jahren aufwendig saniert wird.

Der Klüverbaum am Bug (Fotos: Landtag)
Zusammen mit Landtagspräsident Klaus Schlie und einer kleinen Gruppe
Landtagsmitarbeitern konnte ich mir ein Bild vom Zustand des Dreimasters machen. Aufnahmen von den Reparaturarbeiten an dem Traditionssegler gab es zuvor nicht. In der Werft angekommen, traute ich meinen Augen kaum. Da lag sie, eingehüllt in ein riesen Gerüst. Am Bug ragte der typische Klüverbaum hervor, sonst war von dem Segelschiff nicht viel zu erkennen.

Ein rostbrauner Stahlkoloss kommt zum Vorschein


Mit Schutzhelmen ausgestattet wurden wir durch das 60 Jahre alte Schiff geführt

– Stolperfallen aus herumliegenden Kabeln und herausstehenden Bolzen im Boden inklusive. Im Inneren entpuppte sich die einst so majestätisch anmutende Dreimastbark als ein komplett entkernter, rostbrauner Stahlkoloss. Wahnsinn, wie viel Arbeit hier noch drin steckt, dachte ich mir. Klar, ich wusste, wenn die Sanierungskosten auf rund 100 Millionen Euro geschätzt werden, muss es viel zu reparieren geben. Der Kommandant des Segelschulschiffes, Kapitän zur See Nils Brandt, der unser Staunen bemerkt hatte,
Großbaustelle "Gorch Fock"
versuchte uns ein wenig zu beruhigen. Er habe das Schiff bei Reparaturarbeiten vor rund 20 Jahren schon einmal in diesem Zustand gesehen und versicherte uns, die „Gorch Fock“ werde am Ende wieder „ganz die Alte“ sein – nur mit neuester Technik und moderner Ausstattung. Wirklich schwer vorstellbar.


Und dennoch: Ich freue mich schon darauf, wenn der Traditionssegler wieder in See sticht. Genau wie der Landtagspräsident, der sich mit der Besatzung austauschte und ihnen Mut und Durchhaltevermögen zusprach, solange sie zum Landdienst verdonnert sind. Wenn ich die „Gorch Fock“ dann wieder anmutig übers Wasser gleiten sehe, werde ich mich immer daran erinnern, wie viel Arbeit in diesem Schiff steckt.

Dienstag, 7. März 2017

Tanzen, Trubel, Traditionen

Traditionen müssen gepflegt werden. Manchmal werden sie so lange gepflegt bis sich keiner mehr an ihren Anfang erinnern kann. Eine Tradition dieser Art ist der alljährliche Karnevalsempfang im Landeshaus. Keine Frage, tanzende Funkenmariechen und ein büttenreden-schwingender Landtagsvizepräsident sind etwas Besonderes und eine schöne Abwechslung zum politisch-ernsten Alltag. Nur habe ich mich gefragt, ob der Landtag im hohen Norden wirklich der passende Ort ist.

Klar, jeder kennt die Tradition, dass die Narren in der Karnevalszeit das Rathaus erobern. Das geschieht auch in Kiel. Aber den Landtag? Hier gibt es keine Eroberung, es werden auch keine Schlüssel übergeben und leider zeigen weder Mitarbeiter noch Politiker großes Interesse – außer dem Vizepräsidenten. Wie er mit seinen Reimen gekonnt die eigene Zunft aufs Korn nimmt, beeindruckt mich schon. 
 
Dann sind die angereisten Prinzenpaare und Tanzmariechen an der Reihe. Ich bin überrascht, wie prunkvoll ihre Trachten und Kostüme sind und bemerke, dass ich noch nie in meinem Leben mit „echtem“ Karneval in Berührung gekommen bin. Außer einer Handvoll Leute schaut sich kaum jemand ihre Darbietung an. Ein wenig ist mir das ganze Szenario unangenehm und ich versuche besonders laut zu klatschen. Meine Kollegin – die mein Unbehagen erkennt – rät mir, ich solle mich nicht abschrecken lassen... und nächstes Jahr in eine der bekannten Karnevalshochburgen fahren, um die Stimmung dort mitzuerleben.