Die Idee...

Den Landtag mit den Augen einer Volontärin entdecken: Während meines zweijährigen Volontariats in der Pressestelle des Schleswig-Holsteinischen Landtags könnt ihr mir in diesem Blog virtuell über die Schulter schauen. Euch erwarten persönliche Eindrücke und kleine Anekdoten aus meinem Arbeitsalltag und dem politischen Geschehen. Viel Spaß beim Lesen!

Freitag, 2. Februar 2018

Die echte Currywurst

Die Schlange bis zur Essensausgabe reicht durch die halbe Landtagskantine, Durchkommen ist kaum möglich. Hier und da drängeln sich Menschen – vollbeladene Tabletts balancierend – zwischen den Wartenden vorbei. Ich warte nur darauf, dass in dem Gewusel etwas zu Bruch geht. Aber die Kantinengänger sind geübt und diszipliniert. Besonders heute: Es gibt Currywurst.

Die bietet die Kantine etwa einmal im Monat an, meist in der Plenarwoche. Wie in anderen Betriebsrestaurants auch gehört sie zum festen Bestandteil des Speiseplans. Es sollen sich sogar Landtagsmitarbeiter darüber beschwert haben, als es die beliebte Wurst meist freitags gab. An einem Tag, an dem manche Mitarbeiter mittags Feierabend machen oder sich vielleicht auf das Essen mit der Familie freuen und nicht in die Kantine gehen – also werden die Currywurst-Tage jetzt variiert.

Auf die richtige Sorte kommt es an


Und nicht nur das, auch an der Sorte scheiden sich die Geister. Während ich noch überlege, was ich essen will, erinnere ich mich an die Diskussionen im Büro: Welche Wurst wird es heute wohl geben – „normale“ oder Berliner Currywurst? Lang oder kurz, dunkel oder hell? Die Antwort auf diese Frage wirkt sich bei einigen Kollegen stark auf die Essensentscheidung aus. Die eine Wurst ist beliebt, die andere eher weniger. Die eine sei weniger würzig und lasse sich schlechter schneiden, erklären mir meine Kollegen. Welche nun aber die „normale“ und welche die Berliner Wurst ist, verwechseln sie jedes Mal, wie sie zugeben. 

Also frage ich den Kantinen-Chef. Er bietet beide Sorten abwechselnd an. Im Gegensatz zu der „normalen“, dunklen und langen Currywurst, die man auch von der Imbissbude kennt, enthalte die helle und kurze Berliner Wurst weniger Zusatzstoffe. Daher sei diese Variante etwas hochwertiger, für einige aber nicht würzig genug. Den Mitarbeitern ist das egal. Für sie ist nur „normale“ Currywurst „echte“ Currywurst, das kann auch der Kantinen-Chef bestätigen.

Dienstag, 9. Januar 2018

Kleine Könige ganz groß

Das Jahr hat gerade erst begonnen und themenmäßig herrscht im Landtag angesichts der sitzungsfreien Wochen noch „Saure-Gurken-Zeit“. Das bedeutet: Es ist ruhig bei uns.Themen für die Berichterstattung werden noch gesucht.

Nun endlich stand der erste Termin des Jahres bevor: der Besuch der Sternsinger. Dass die als Heilige Drei Könige verkleideten Kinder jedes Jahr den christlichen Segen überbringen, sich mit einer Kreidezeichnung am Eingang verewigen und Geld für notleidende Kinder sammeln, wusste ich. Sie treffen auch die Kanzlerin und den Bundespräsidenten, die Aktion hat eine lange Tradition. Über die Größenordnung des Dreikönigssingens im Landtag war ich mir allerdings nicht im Klaren. Im vergangenen Jahr war ich zu dieser Zeit noch im Urlaub.

Sternsinger sind die neuen Popstars

Gedränge vor dem Eingangsportal. (Foto: Landtag)

Ich ahnte schon, was auf mich zukommt, als ich die Eingangshalle des Landeshauses betrat. Obwohl noch gar nicht alle Kinder da waren, blendeten mich schon die Scheinwerfer einiger TV-Kameras, Reporter liefen aufgeregt umher. Einen kurzen Moment fragte ich mich, ob unter den kleinen verkleideten Königen wohl ein echter roayler Spross sein würde. Dann ging es Schlag auf Schlag: Gruppenbild vor dem Eingangsportal, ein bisschen Gesang, weiter zur Kreidezeichnung „20*C+M+B+18“ an der Hauswand. Journalisten standen sich gegenseitig im Weg, versuchten sich in die erste Reihe zu drängen für das beste Bild. Ich konnte kaum glauben, was ich sah. Ein Reporter stieß in dem Getümmel einem verdutzten Kind sogar die Krone vom Kopf.


Bei meinem Versuch das Mädchen zu fotografieren, das den Segen neben die Eingangstür schrieb, wurde auch ich von zwei Kameramännern beiseite geschubst. Ok, es waren um die 50 Kinder und der Eingangsbereich des Landtages ist nicht besonders groß. Aber mit solch chaotischen Zuständen hätte ich im Leben nicht gerechnet. Anscheinend ist Anfang des Jahres nicht nur für den Landtag „Saure-Gurken-Zeit“, sondern auch für die Medien.

Donnerstag, 21. Dezember 2017

Vermisst – eine Müsli-Schüssel auf Abwegen

Alles begann vor etwa einem Monat: Ich ging in die kleine Küche unserer Pressestelle und wollte mir wie üblich meine Müsli-Schüssel holen. Wenn es der Terminplan erlaubt, frühstücke ich dann an meinem Platz, während ich meine Mails checke und den Pressespiegel lese. Nicht so an diesem Morgen – meine türkis-blaue Lieblingsschüssel war verschwunden. Nun gut, dachte ich mir, die Küche wird von vielen Kollegen genutzt und ich habe die Schale nie eindeutig als mein Eigentum gekennzeichnet. Also: selbst schuld. Sie wird schon wieder auftauchen.


„Tatort“ Küche (Fotos: Landtag)
Etwa eine Woche nach ihrem Verschwinden wurde mir bewusst, wie sehr sie mir fehlte. Ich klebte einen Zettel mit einem Such-Aufruf an den Küchenschrank: Hilfe, meine Lieblingsschüssel ist weg! Es geschah nichts. Immerhin sprachen mich einige Kolleginnen darauf an, hörten sich um und halfen suchen. Niemand hatte etwas gesehen. Dann kam der Hinweis auf die Abschiedsfeier einer Kollegin, die in den Ruhestand gegangen war. Dort könnte die Schale doch versehentlich benutzt und an falscher Stelle wieder abgestellt worden sein. Aber – auch diese Spur führte ins Leere.

Nach und nach schwand meine Hoffnung, meine geliebte Schüssel würde je wieder auftauchen. Schließlich kamen kaum noch Hinweise, das Thema geriet in Vergessenheit. Nach etwa einem Monat nahm ich schweren Herzens den Zettel am Küchenschrank wieder ab: Ich musste mir wohl eine neue Schale zulegen.

Mein persönliches Weihnachtswunder 


Inzwischen steht Weihnachten vor der Tür. Die meisten Kollegen haben sich schon in den Urlaub verabschiedet. Auch ich bereite mich auf die freien Tage vor, sortiere die Zettelwirtschaft auf meinem Schreibtisch und trage Teetasse und Wasserglas in die Küche für einen letzten Spülgang in diesem Jahr.

Wieder aufgetaucht: die türkisfarbene Schüssel
Beim Blick in den Geschirrspüler traue ich meinen Augen kaum: da ist sie ja! Meine türkisfarbene Schüssel steht im oberen Korb. Etwas eingestaubt und mit klebrigen Spuren von etwas Süßem kann ich meine Müsli-Schale eindeutig identifizieren. Unglaublich. Mein persönliches Weihnachtswunder. Ab jetzt bekommt sie einen gesicherten Platz in meinem Büroschrank, soviel steht fest.

In diesem Sinne gehe ich nun beruhigt in den Urlaub und wünsche allen ein schönes Weihnachtsfest und ein gutes Jahr 2018!